Hanf – Eine Heilpflanze auf der schiefen Bahn

Hanf – Eine Heilpflanze auf der schiefen Bahn

Betrachtet man den historischen Werdegang der Hanfpflanze, so muss man anerkennen, dass Ihre Stellung als Heilpflanze durch ihre Extrakt-Stoffe CBD und THX durchaus gegeben ist. Schon lange vor uns wurde sie gegen Schmerzen und Krankheiten verwendet.

Wir betrachten heute jedoch weniger die Extrakt-Stoffe und mehr den Part, den die Cellulose dabei einnimmt. Nämlich die Verwendung der Hanfpflanze als Dämm-, Heiz- oder ganz allgemein Baustoff. Dabei haben wir für euch recherchiert, was denn zum Beispiel besser brennt, Hanf- oder Holzbriketts und zu welchen Produkten in der Welt des Bauens, Sanierens und Restaurierens, dieser noch weiterverarbeitet wird.

Zunächst jedoch noch ein kleiner geschichtlicher Abriss, um zu zeigen warum diese viel diskutierte Pflanze heute einen solch negativen Ruf genießt: Die erste Erwähnung von Cannabis als Heilpflanze wurde auf ca. 300 bis 200 vor Christus in China datiert. Als Opfergabe wurde sie jedoch schon 2000 vor Christus in Indien erwähnt. Dabei war die Wirkung der Pflanze außerdem für Meditationszwecke bekannt.  Doch auch im alten Ägypten, in Griechenland sowie die Römer nutzten die Pflanze. Im europäischen Mittelalter wurde sie dann von der allseits bekannten Hildegard von Bingen, eine Nonne die bis heute für ihr Lebenswerk der Heilkräuter sowie deren Anwendung bekannt ist, als eine schmerzlindernde, verdauungsfördernde Pflanze beschrieben.

Die Bekanntheit als Heilmittel steigerte sich über die Jahrhunderte bis zu seiner Blütezeit zwischen 1842 und 1900. Dabei war Cannabis in Europa und den USA die meist verkaufte Arznei, die es zu dieser Zeit gab. Die Liste der Krankheiten zu dessen Behandlung es eingesetzt wurde, war lang und es war landläufig als „Allheilmittel“ bekannt. Ein recht potentes Pflänzchen war es also damals schon.

Doch warum ist diese Pflanze dann bis heute so in Verruf geraten?

Wenn euch die genaue Geschichte interessiert, kommt ihr hier auf die Seite Leafly.de zum Artikel von Alexandra Latour, die wie ich finde den geschichtlichen Hintergrund gut zusammengefasst hat.

Der gesellschaftliche Abstieg der Heilpflanze begann im 20. Jahrhundert mit dem Beginn der Prohibition. Staatliche Propaganda und die Popularität der Bewegung führten dazu, dass die Pflanze von der einstigen All-Heil-Medizin zur gefährlichen Droge verkam.

Doch dank des medizinischen Fortschritts kehrt sie nun langsam in die Apotheken zurück. Dabei möchten wir persönlich anmerken, dass die Wirkung natürlicher pflanzlicher Arzneien, vor allem im Bereich natürlicher Antibiotika noch immer völlig verkannt wird und auch von der Pharma-Industrie geblockt.

Nun aber endlich zum Hanf als Bau- und Heizstoff!

Da Hanf fast 50-mal schneller als Holz wächst, ist es wesentlich schneller zu ernten und kann größere Mengen an CO2 binden. Es besitzt hervorragende thermische und klimatische Eigenschaften und wird in Verbindung mit Kalk, insektenresistent, brandsicher und steril.

Zunächst schauen wir einmal, was mit dem Erntegut Hanf in der Verarbeitung geschieht.

In Hanffaserfabriken wird aus der Rinde der Pflanze die Hanffaser gewonnen. Der innere Teil der Pflanze besteht wie beim Baum auch aus der Cellulose. Außerdem besteht das “Holz“ der Pflanze aus Hemizellulose und Lignin. Diese drei Bestandteile sind die gleichen wie bei allen anderen Baumarten auch. Etwas, das die Pflanze mit den Bäumen auf jeden Fall gemein hat. Unterschiede sind jedoch immer im Anteil und der Zusammensetzung der drei Stoffe gegeben. Das ist je nach Pflanze, bzw. Baum und dem Bereich im Stamm oder Ast unterschiedlich. In der Fabrik fällt nun Hanf-Cellulose als Reststoff der Produktion als Häcksel an und wird anschließend in den meisten Fällen zu Pellets und Briketts verpresst.

Doch wie ist der Heizwert bzw. Brennwert dieses Hanfpellets bzw. -Briketts?

Dazu noch eine kleine Einführung:

Der Brennwert oder auch oberer Heizwert genannt ist die Energie die durch die Verbrennung eines Stoffes in Form von Wärme frei wird, bis dieser vollständig verbrannt ist. Freigesetzt werden dabei Kohlendioxid und kondensiertes Wasser. Die maximal mögliche Wärmemenge, die durch die Verbrennung genutzt werden kann, ist jedoch der untere Heizwert. Er wird in [kWh/kg] angegeben und wird wie der Brennwert auch, experimentell unter Sauerstoffüberdruck in einer Druckkammer ermittelt.

Der Unterschied zwischen Brennwert und unterer Heizwert ist laut Berechnung, dass die Verdampfungswärme des im Stoff enthaltenen Wassers als Energie vom Brennwert abgezogen wird, da bei einer normalen Verbrennung davon ausgegangen wird, dass nur gasförmige Verbrennungsprodukte entstehen.

Hier also nun ein direkter Vergleich von Kennzahlen zwischen Hanf- und anderen Heizprodukten zur Befeuerung:

BRENNSTOFFUnterer HEIZWERT [kWh/kg]
 
Hanfbriketts4,1
Hanf-Heizpellets4,2-5,0
 
Holz-Hackschnitzel1,9
Holzpellets DIN 517314,8 (5,0)
Hartholz - luftgetrocknet4,1
Nadelholz - luftgetrocknet4,1
 
Strohpellets3,9
 
Papier4,1
 
Braunkohle-Briketts5,4
Steinkohle7,6
Alle Werte und technischen Hinweise unter hanfpellets.de


Kosten

Betrachtet man nun die Werte, so wird ersichtlich, dass das Heizen von Hanf durchaus effizient sein kann. Was kostet er im Vergleich?

ProduktPreis in €/kg
Holzbrikett0,22
Hanfbrikett0,36
Holzpellets0,32
Hanfpellets (keine DIN)ca. 0,15

Dabei muss beachtet werden, welchen Regularien die Hanfpellets und -Briketts unterliegen. Ist hier keine DIN eingehalten oder angegeben, kann das zum Beispiel dazu führen, dass während der Verbrennung wesentlich mehr Kohlenstoff anfällt, wodurch das Heizkraftwerk öfter gereinigt werden muss, oder andere Wartungsarbeiten vermehrt anfallen. Der Aufpreis hält sich im Vergleich von Holz zu Hanf dabei im Rahmen und kann eventuell durch einen höheren unteren Heizwert kompensiert werden.

Alles in allem jedoch eine interessante Alternative zu Holz, wenn der wirtschaftliche Aspekt der ganzheitlichen Nutzung dieser Pflanze auch als Heilmittel weiterhin in Europa Einzug hält. Dabei ist es im Vergleich zu Holz wichtig die dafür notwendige Infrastruktur an Grünflächen zur Ernte sowie Anlagen der effizienten und lokalen Weiterverarbeitung, welche bei Holz schon lange existieren, einzubürgern. Nur so kann Hanf, sowie dessen Inhaltsstoffe auch wirklich über die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltig genutzt werden.

Hanf als Baustoff

Dies gilt ebenso für die vielen anderen Produkte, die aus Hanf entstehen können und bereits, als Exoten geltend, im Bauwesen seine Daseinsberechtigung haben.

Dabei wird Hanf als Stopf- oder Schütt-Hanf, zum Beispiel als Zwischensparrendämmung sowie im Bereich von Wand- und Boden-Dämmung verwendet. Dabei liegt es in einfachen Faserhanf vor und die entsprechenden Hohlräume werden damit per Hand ausgefüllt. Abbund-Hanf wird ebenso verwendet, nur mit dem Unterschied, dass die Dämmung bereits bei der Produktion von Wänden in Ständerbauweise ab Werk eingebracht wird. Auch im Bereich von Schalldämmung als Schüttung für den Fußboden kann Hanffaser eingebracht werden.

Ein Akustikflies ist eine weitere Möglichkeit wie man mit einem Hanfprodukt eine schalltechnische Entkopplung des Fußbodens realisieren kann.  Eine Wanddämmung in den verschiedensten Formen und Wandaufbaumöglichkeiten ist für einen alternativen Hausbau ebenfalls denkbar. Dichtungsband aus Hanffasern, im Schiffsbau seit jeher als Kalfater-Band bekannt, ist sehr effizient und zuverlässig, wenn es darum geht Fugen im Übergang zur Außenhülle eines Gebäudes abzudichten. Schließlich ist es auch möglich Dämmung mittels eines hanffasergebundenen Putzes in einen Raum zu integrieren.

Wie man sieht ist das Material Hanf ein wahrer Alleskönner im Bauwesen und hat einen hohen Grad der Nutzbarmachung.

Moderne Produkte wie Hanfsteine (in Form gepresstes Hanf in Verbindung mit Kalk), werben damit ganzheitlicher in der Anwendung zu sein und vielseitiger in ihren Vorteilen als bestehende Produkte.

Diese Bausteine sollen in Punkto Wärmespeicherung, Wärmereflektion, Wärmedämmung, Diffusionsoffenheit, sowie Feuchtigkeitsregulation, eindeutige positive Eigenschaften gegenüber herkömmlichen Baustoffen wie Proenbeton, Proton, Holzfaserplatten, mit denen sie verglichen werden haben.

Dabei wird eine negative CO2 Bilanz angegeben. Diese wird wahrscheinlich jedoch auf dem schnellen Wachstum von Hanf und dem dadurch gebundenem Kohlenstoff basieren. Zudem sind sie wiederverwendbar, also nach “Cradle to Cradle“ Prinzip. Auch luft-hygienische Eigenschaften wie beim Lehm werden angegeben. Die Langlebigkeit und Einfachheit dieser Baublöcke wird ebenfalls beworben und mit einer ökonomischen Eigenschaft als zeitsparendes Arbeitsmittel in der Bauphase sowie als Heiz- und Kühlkostensparer in der späteren Nutzungsphase, ausgegeben.

Fazit

Wir von Höhlenmensch müssen ausdrücklich darauf hinweisen, dass die konstruktiven Vorteile unter Umständen gegeben sind, jedoch immer stark davon abhängen was der Bauherr geplant haben möchte. In unserer Gesellschaft ist der Nutzen eines Hauses nur noch 2ter auf dem Siegertreppchen. Am wichtigsten sind uns Aussehen und Wohlbefinden und nicht Funktionalität. Von daher obliegt es immer dem Bauherren selbst, wie nachhaltig, ökologisch und ökonomisch ein Bauwerk sein kann.

Das Material Hanf ist für uns jedoch einfach nur genial! Es hat ein mehr als nur vielfältiges Einsatzspektrum und verfügt darüber hinaus noch über einfache Handhabung Verarbeitbarkeit und theoretisch kann es überall in großen Mengen verfügbar gemacht werden. Sieht man nun auch noch das große Potential von CBD und anderen Inhaltsstoffen der Pflanze zur Anwendung als Arznei und Hielmittel, so sind wir von der ganzheitlichen Nutzbarkeit der Pflanze und über die nachhaltig, positive Wirkung auf unsere Gesellschaft überzeugt und würden uns freuen bei Interesse mehr darüber berichten zu dürfen.

In diesem Sinne, schaff mit deiner grünen Stimme!

Das könnte euch auch interessieren

Lehm - Der Baustoff seit es Häuser gibt

Barrierefreies Bauen – Wer früher denkt, hat es später leicht

Schreibe einen Kommentar